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Das Bermudadreieck: Was wir tatsachlich wissen und was Mythos ist

Veröffentlicht 2026-06-02·5 Min. Lesezeit

Irgendwann in den 1950er-Jahren entstand einer der zahlebigsten Mythen der modernen Zeit: ein Dreieck im Atlantischen Ozean, zwischen Miami, Bermuda und Puerto Rico, in dem Schiffe und Flugzeuge auf unerklarliche Weise verschwinden. Bucher wurden geschrieben, Dokumentarfilme gedreht, Theorien aufgestellt, die von magnetischen Anomalien uber Methangas-Ausbruche bis hin zu Ausserirdischen reichten.

Was kaum jemand erzahlte: Die Versicherungsbranche sah das Bermudadreieck nie als besonderes Risiko. Lloyd's of London, der alteste Schiffsversicherungsmarkt der Welt, verlangte nie einen Aufschlag fur Fahrten durch das Gebiet. Das sagt mehr als jede Doku.

Woher der Begriff uberhaupt kommt

Den Begriff "Bermuda-Dreieck" pragte der amerikanische Schriftsteller Vincent Gaddis 1964 in einem Artikel im Pulp-Magazin "Argosy". Er sammelte eine Reihe von Verschwinden in diesem Gebiet und prasentierte sie als Teil eines Musters.

Das entscheidende Wort ist "Muster". Gaddis suchte nach Vorfallen in einem bestimmten Gebiet und fand sie. Das ist keine Wissenschaft, das ist Bestatigung eines vorher angenommenen Ergebnisses. Wenn man nach Flugzeugabsturzen in irgendeinem gleichgroen Meeresbereich sucht, findet man sie. Der Atlantik ist gross, der Luftverkehr uber ihm ist dicht, und Meere sind gefahrlich.

Der Journalist Charles Berlitz popularisierte den Mythos 1974 mit einem Bestseller, der behauptete, uber 100 Schiffe und Flugzeuge seien spurlos verschwunden. Er lieb wichtige Details weg: Viele der genannten Vorfalle fanden gar nicht im Bermudadreieck statt, sondern weit auberhalb. Andere hatten mundane Erklarungen, die er nicht erwahnte.

Flug 19: Der beruhmteste Fall

Der meistzitierte Fall ist Flug 19, der 5. Dezember 1945. Funf TBF Avenger-Torpedobomber starteten von Fort Lauderdale zu einem Ubungsflug. Sie verschwanden, und das Suchflugzeug, das nach ihnen suchte, verschwand ebenfalls. Insgesamt 27 Menschen starben.

Berlitz und andere stellten das als unerklarliches Mysterium dar. Die mundane Wahrheit: Der Fuhrungspilot, Lieutenant Charles Taylor, hatte kein vertrautes Gebiet, war in einem neuen Cockpit, und verlor die Orientierung. Funf Ubertragungen wurden aufgezeichnet, in denen er zugab, nicht zu wissen, wo er war. Er dachte, er sei uber den Florida Keys, war es aber nicht. Die Flugzeuge flogen bis sie kein Treibstoff mehr hatten und gingen nieder.

Das Suchflugzeug, ein Martin Mariner, explodierte kurz nach dem Start. Ein Frachtschiff beobachtete die Explosion. Martin Mariner-Flugzeuge waren bekannt fur Treibstofflecks und wurden intern als "fliegende Benzinbomben" bezeichnet. Eine Unfallerklarung, keine Mysterientheorie.

Was die Wissenschaft zu Methangas sagt

Eine der seriostesten naturwissenschaftlichen Theorien zum Bermudadreieck ist die Methangas-Hypothese. Im Meeresboden des Atlantiks gibt es Methanhydrate, gefrorenes Gas, das sich unter bestimmten Bedingungen schnell losen kann. Ein grober Methanausbruch konnte theoretisch die Wasserichte so verringern, dass Schiffe einsinken.

Das ist physikalisch plausibel. Australische Forscher dokumentierten 2016 riesige Kratern auf dem Meeresgrund der Barentssee, die vermutlich durch solche Methanausbruche entstanden. In Labors konnte man zeigen, dass ausreichend Methan im Wasser tatsachlich Schiffe destabilisieren kann.

Das Problem mit dieser Theorie im Zusammenhang mit dem Bermudadreieck: Es gibt keinen Beleg dafur, dass im fraglichen Gebiet ungewohnlich haufig oder grob genug Methanausbruche stattfinden, um die angeblich erhohte Zahl an Verschwinden zu erklaren. Die Theorie ist interessant, aber sie erklart das Bermudadreieck nur, wenn man zuerst annimmt, dass dort etwas unerklarliches passiert. Was noch nicht bewiesen ist.

Was der Lloyd's-Bericht und Unfallstatistiken zeigen

Der Schiffsversicherer Lloyd's of London sowie das USCG (US Coast Guard) fuhrten jahrzehntelang Statistiken uber Schiffsunfalle. Das Ergebnis: Das Bermudadreieck ist, gemessen an der Dichte des Schiffs- und Luftverkehrs, kein besonders gefahrliches Gebiet.

Der australische Forscher Karl Kruszelnicki fasste es 2017 in einem BBC-Interview knapp zusammen: "Die Zahl der Verschwinden im Bermudadreieck ist nicht hoher als in vergleichbaren Seegebieten. Es ist nur viel mehr daruber geschrieben worden."

Der Verkehr durch das Bermudadreieck ist extrem dicht. Miami ist einer der grosten Kreuzfahrthafen der Welt, das Gebiet liegt auf einer der meistgenutzten Flugrouten zwischen Nordamerika, Europa und der Karibik. Bei soviel Verkehr sind Unfalle statistisch unvermeidbar.

Wetterbedingungen im Atlantik

Der westliche Atlantik ist meteorologisch anspruchsvoll. Das Bermudadreieck liegt in einer Zone, die regelmaig von heftigen Gewittern, schnellen Wetteranderungen und im Sommer von Hurrikanen getroffen wird. Wasserhocker, also schnell aufsteigende Luftmassen uber warmem Meerwasser, konnen plotzlich entstehen und Flugzeuge in Bedruckung bringen.

Dazu kommt der Golfstrom. Dieser mabhtige Meeresstroms fliest mitten durch das Bermudadreieck und kann Trummer von gesunkenen Schiffen oder abgesturzten Flugzeugen schnell weit vom Unglucksort wegtransportieren. Das erklart, warum in einigen Fallen keine Trummer gefunden wurden: sie trieben davon, nicht weil sie mysteriOs verschwanden.

Wirklich ungelost: Die USS Cyclops

Es ware unfair zu behaupten, es gabe keine ungeklarten Vorfalle. Es gibt sie. Das beruhmteste Beispiel ist die USS Cyclops, ein US-Marine-Versorgungsschiff, das im Marz 1918 mit 309 Menschen an Bord spurlos verschwand.

Keine Notrufe, keine Trummer, keine Uberlebenden. Das Schiff war technisch in der Lage, Nachrichten zu senden. Das Wetter war nicht extrem. Es war Frieden, kein U-Boot wurde als Verursacher identifiziert. Bis heute ist der Verbleib der Cyclops unbekannt.

Das ist ein echtes Mysterium. Aber ein echtes Mysterium in einem gropen Ozean ist keine Bestatigung fur paranormale Krafte oder ausserirdische Entfuhrungen. Schiffe verschwinden manchmal ohne Spur. Das Meer ist tief und sehr gros.

Das eigentliche Phanomen: Warum wir Muster suchen

Die interessanteste Frage am Bermudadreieck ist nicht: Was passiert dort? Sondern: Warum glauben so viele Menschen, dass dort etwas passiert?

Menschen sind darauf ausgerichtet, Muster zu erkennen. Es ist ein evolutionarer Vorteil. Wer in der Savanne ein Muster im Gras als Lowe interpretierte, uberlebte haufiger als wer es ignorierte, auch wenn es manchmal nur Wind war. Dieses Muster-Erkennungssystem lauft in uns immer, auch dann, wenn es falsch Alarm schlagt.

Wenn man eine Liste von Schiffsunglucken in einem bestimmten Gebiet liest und diese als zusammengehorigens Phanomen prasentiert bekommt, macht das Gehirn unweigerlich Verbindungen. Dass diese Verbindungen manchmal nicht real sind, dass das Muster nur existiert, weil jemand gezielt danach gesucht hat, ist schwer zu akzeptieren.

Das Bermudadreieck ist kein Beleg fur Ubernatuerliches. Es ist ein Beleg fur die menschliche Neigung, Geschichten dort zu finden, wo man nach ihnen sucht.

Was wirklich gefahrlich ist am Atlantik

Der westliche Atlantik hat reale Gefahren, und die sind banaler als Alien-Entfuhrungen. Plotzliche Gewitterzellen, die Piloten uberwaltigen. Mechanische Ausfalle bei alteren Schiffen. Navigationsfehler in einer Zeit vor GPS. Drogen- und Waffenschmuggel, der manchmal mit Gewalt endet und dessen Opfer bewusst nicht gefunden werden sollen.

Letzteres ist keine Theorie: Die US Coast Guard dokumentierte jahrzehntelang Vorfalle im Karibikraum und dem sudlichen Atlantik, bei denen Drogengangs Schiffe versenkten. Manche dieser Vorfalle tauchen in Bermudadreieck-Listen auf, ohne dass der Hintergrund erklart wird.

Das Bermudadreieck ist ein gutes Beispiel dafur, wie eine Geschichte, oft genug erzahlt, zum Fakt wird. Nicht durch Beweise, sondern durch Wiederholung.

Das Bermudadreieck: Was wir tatsachlich wissen und was Mythos ist – Skriuwer.com