Die dunkle Geschichte der CIA: Operationen, die die Welt veränderten
Die CIA wurde 1947 gegründet, als Reaktion auf Pearl Harbor und die Überzeugung, dass die USA nie wieder durch fehlende Geheimdienstarbeit überrascht werden dürften. Was aus dieser Nachrichtenbehörde wurde, ist eine der faszinierendsten und erschütterndsten institutionellen Geschichten des 20. Jahrhunderts. Die hier beschriebenen Operationen sind keine Verschwörungstheorien: Sie sind in deklassifizierten Dokumenten, Kongressberichten und akademischen Studien belegt.
Die frühen Jahre: Coups und der Kalte Krieg
In den frühen 1950er Jahren entwickelte die CIA unter Direktor Allen Dulles eine Doktrin der verdeckten Operationen. Die Idee war einfach: Die USA könnten politische Entwicklungen in anderen Ländern beeinflussen, ohne direkt militärisch einzugreifen. Das klang sauber. Die Umsetzung war es nicht.
1953 führte die CIA die Operation Ajax durch: der Coup gegen den iranischen Premierminister Mohammad Mossadegh. Mossadegh hatte die britische Anglo-Iranian Oil Company nationalisiert, die den iranischen Ölreichtum kontrollierte. Die CIA und der britische Geheimdienst MI6 organisierten Straßenproteste, bestachen Politiker und Militärs und sorgten dafür, dass Mossadegh gestürzt und der Schah Mohammad Reza Pahlavi wieder eingesetzt wurde.
Der Schah regierte bis 1979 mit harter Hand, gestützt von einer Geheimpolizei, der SAVAK, die die CIA mitaufbaute und ausbildete. Als die Islamische Revolution ihn stürzte, wurde das Erbe der CIA-Einmischung von 1953 zu einem der Hauptnarratives iranischer Anti-Amerikanismus. Die Konsequenzen sind bis heute spürbar.
Ein Jahr später, 1954, wiederholte sich das Muster in Guatemala. Jacobo Arbenz, gewählter Präsident, hatte eine Landreform durchgeführt, die auch Ländereien der United Fruit Company betraf, einem amerikanischen Unternehmen mit engen Verbindungen zur Eisenhower-Administration und zu CIA-Direktor Dulles. Die Operation PBSUCCESS stürzte Arbenz durch einen CIA-unterstützten Militärputsch. Es folgten Jahrzehnte bürgerkriegsähnlicher Zustände und Militärdiktaturen, die mehr als 200.000 Menschenleben kosteten.
MKUltra: Experimente an unwissenden Menschen
MKUltra ist kein Mythos. Es ist in Kongressberichten von 1977 und in deklassifizierten CIA-Dokumenten umfassend belegt. Das Programm lief von 1953 bis mindestens 1973 und war der Versuch der CIA, Methoden zur Gedankenkontrolle, Verhörverstärkung und psychologischen Manipulation zu entwickeln.
Das Programm umfasste LSD-Experimente an Menschen ohne deren Wissen oder Zustimmung. Patienten in Krankenhäusern, Gefangene und CIA-Mitarbeiter wurden ohne Aufklärung mit LSD, Mescalin, Barbituaten und anderen Substanzen experimentiert. In einigen Fällen wurden Probanden tagelang ohne Schlaf gehalten, einem Reizüberflutungsprotokoll ausgesetzt oder hypnotisiert.
Ein bekanntes Todesopfer: Frank Olson, ein CIA-Wissenschaftler, der 1953 ohne sein Wissen mit LSD dosiert wurde und neun Tage später aus einem Hotelfenster in New York fiel. Die offizielle Version war Selbstmord. 1994 wurde seine Leiche exhumiert, und der Gerichtsmediziner Norman Scheck stellte fest, dass Olson wahrscheinlich vor dem Sturz niedergeschlagen worden war. Der Fall wurde nie vollständig aufgeklärt.
Sidney Gottlieb, der CIA-Chemiker, der MKUltra leitete, vernichtete 1973 auf Anweisung die meisten Akten. Was 1977 im Kongress bekannt wurde, war das, was überlebt hatte, und reichte für einen Skandal aus.
Chile 1973: Der Sturz Allendes
Salvador Allende wurde 1970 demokratisch zum Präsidenten Chiles gewählt, als erster offen marxistischer Präsident in Lateinamerika. Die Nixon-Administration war alarmiert. Kissinger soll gesagt haben: "Warum sollen wir zuschauen, wie ein Land durch die Unverantwortlichkeit seines eigenen Volkes kommunistisch wird?"
Die CIA führte eine zweigleisige Kampagne durch: wirtschaftlichen Druck, um Allendes Regierung zu destabilisieren, und Unterstützung der chilenischen Militäropposition. Am 11. September 1973 putschte General Augusto Pinochet. Allende starb im Präsidentenpalast La Moneda, nach offizieller Lesart durch Suizid.
Pinochet regierte bis 1990. Unter seiner Herrschaft wurden mindestens 3.000 Menschen ermordet oder verschwanden spurlos, Zehntausende wurden gefoltert. Die Diktatur wurde von der CIA logistisch unterstützt, besonders in den frühen Jahren. Deklassifizierte Dokumente zeigen, dass die CIA über Menschenrechtsverletzungen informiert war und weiterhin kooperierte.
Operation Condor: Koordinierter Terror
Operation Condor war ein koordiniertes Programm südamerikanischer Militärdiktaturen in den 1970er und 1980er Jahren, das politische Dissidenten auch außerhalb ihrer eigenen Grenzen verfolgte. Chile, Argentinien, Uruguary, Paraguay, Bolivien und Brasilien tauschten Gefangene aus, führten gemeinsame Verhöre durch und töteten Oppositionelle im Ausland.
Die CIA war über Condor informiert und half bei der Koordination. Die National Security Archive der George Washington University hat Dokumente veröffentlicht, die zeigen, dass CIA-Direktive die Vernetzung der Geheimdienste unterstützten. Wie viele Menschen durch Condor starben, ist unbekannt. Schätzungen reichen von Tausenden bis Zehntausenden.
Afghanistan: Die Mujahideen und ihre Konsequenzen
1979 marschierte die Sowjetunion in Afghanistan ein. Die CIA begann, unter Direktor William Casey und mit Genehmigung von Reagan, die afghanischen Mujahideen massiv zu unterstützen. Operation Cyclone war das teuerste verdeckte Operationsprogramm in der Geschichte der CIA: bis zu 630 Millionen Dollar jährlich in den Spitzenjahren.
Waffen, Geld und Training flossen über Pakistan an Mujahideen-Gruppen, darunter auch islamistische Fraktionen. Die CIA koordinierte mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI, der eigene Prioritäten hatte und bevorzugt die radikalsten Gruppen aufrüstete.
Die Sowjetunion zog sich 1989 zurück. Was blieb, war ein Afghanistan voller Waffen, ausgebildeter Kämpfer und ohne funktionierendes Staatswesen. Aus diesem Umfeld entstand die Taliban, und aus Netzwerken, die über Afghanistan operiert hatten, entstand al-Qaida. Ob es eine direkte CIA-Verbindung zu Osama bin Laden gab, ist umstritten. Was nicht umstritten ist: Die Infrastruktur, die 9/11 ermöglichte, entstand im Kontext des CIA-finanzierten Jihad gegen die Sowjets.
Geheimgefängnisse und Folter nach 9/11
Nach dem 11. September 2001 erhielt die CIA erweiterte Vollmachten. Das Programm der "erweiterten Verhörtechniken", auf Englisch "enhanced interrogation techniques", war im Wesentlichen ein Folterprogramm. Der Senate Intelligence Committee Report von 2014, bekannt als "Folterbericht", dokumentierte auf Basis von CIA-eigenen Unterlagen, was in den sogenannten "Black Sites", den geheimen CIA-Gefängnissen weltweit, geschah.
Waterboarding, Schlafentzug von bis zu 180 Stunden, erzwungene Stresspositionen, "rectal feeding" ohne medizinische Notwendigkeit, Drohungen gegen Familienangehörige: all das ist im Bericht dokumentiert. Der Bericht stellte auch fest, dass die CIA den Kongress und den Präsidenten systematisch über die Wirksamkeit und den Umfang des Programms falsch informiert hatte.
Kein CIA-Mitarbeiter wurde je wegen dieser Vorgänge strafrechtlich verfolgt. John Brennan, der während eines Teils des Programms CIA-Stationsleiter in Saudi-Arabien war, wurde 2013 CIA-Direktor.
Was das alles bedeutet
Die Geschichte der CIA ist nicht die Geschichte einer rein bösartigen Organisation. Sie ist die Geschichte einer Institution, die im Kontext des Kalten Krieges echte Bedrohungen bekämpfte und dabei Methoden verwendete, die Millionen von Menschen schadeten, demokratische Regierungen stürzten und langfristige Instabilität produzierten.
Der Reflex, diese Geschichte als Verschwörungstheorie abzutun, ist bequem aber falsch. Die Dokumente existieren. Die Kongressberichte existieren. Die Opfer existieren. Was fehlt, ist die Bereitschaft, eine unbequeme institutionelle Geschichte ernst zu nehmen. Das ist eine andere Sache als Paranoia.