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Die Geschichte der Freimaurer

Veröffentlicht 2026-06-02·4 Min. Lesezeit

Ursprung in den Steinmetzzünften

Die Freimaurerei beginnt nicht mit Geheimritualen oder Weltverschwörungen. Sie beginnt mit Handwerkern. Im mittelalterlichen Europa organisierten sich Steinmetze, die an Kathedralen und Burgen arbeiteten, in Gilden. Diese Gilden schützten ihr Handwerkswissen, erkannten Mitglieder an Handzeichen und Losungsworten und halfen einander in Notzeiten. Aus diesen operativen Logen entstanden im 17. und frühen 18. Jahrhundert die spekulativen Logen, die keine echten Maurer mehr waren, sondern Männer aus Bürgertum und Adel, die die Symbolik und die Rituale des alten Handwerks übernahmen.

Die moderne Freimaurerei beginnt offiziell am 24. Juni 1717, als vier Londoner Logen die erste Großloge gründeten. Von dort breitete sie sich schnell durch Europa und die amerikanischen Kolonien aus.

Die Aufklärung als Nährboden

Warum wuchs die Freimaurerei so schnell? Weil sie perfekt in den Geist der Aufklärung passte. Die Logen boten einen Ort, an dem Männer unterschiedlicher Herkunft als Gleiche zusammenkommen konnten. Das war in einer streng hierarchischen Gesellschaft, in der Adel und Bürgertum selten auf Augenhöhe verkehrten, eine echte Neuerung.

In den Logen diskutierte man Philosophie, Wissenschaft und Moral. Voltaire wurde wenige Wochen vor seinem Tod in Paris aufgenommen. Benjamin Franklin war Freimaurer und Großmeister in Pennsylvania. George Washington war Freimaurer, ebenso wie James Monroe, Andrew Jackson und viele andere amerikanische Gründungsväter. Mozart war Freimaurer; seine Oper "Die Zauberflöte" gilt als eine allegorische Darstellung freimaurerischer Ideale.

Dieser Zusammenhang mit der Aufklärung machte die Freimaurer mächtig und gefährlich zugleich, zumindest in den Augen derer, die Macht und Tradition gegen Veränderung verteidigten.

Die Kirche und die Verbote

Die katholische Kirche verbannte die Freimaurerei bereits 1738. Papst Clemens XII. erließ die Bulle "In Eminenti", die jeden Katholiken mit Exkommunikation bedrohte, der einer Loge beitrat. Seitdem folgten weitere päpstliche Verurteilungen. Erst 1983 wurde die explizite Exkommunikation aus dem Kirchenrecht gestrichen, aber die negative Haltung blieb.

Was störte die Kirche so sehr? Mehrere Punkte. Die Logen akzeptierten Männer aller Religionen, sofern sie an einen "Großen Baumeister des Universums" glaubten. Das war in kirchlichen Augen Indifferentismus, die Gleichsetzung verschiedener Religionen. Dazu kam das Geheimhaltungsgebot, das kirchliche Autorität unterlief, und die liberalen politischen Ideen, die in Logen kursieren konnten.

In einigen Ländern wurden Freimaurer aktiv verfolgt. Im faschistischen Spanien und Portugal, im nationalsozialistischen Deutschland und in der Sowjetunion wurden Logen verboten und Mitglieder verhaftet oder ermordet. Die Nazis deportierten zehntausende Freimaurer in Konzentrationslager.

Die Rituale und ihre Bedeutung

Was tun Freimaurer eigentlich in ihren Logen? Das ist die Frage, die die Fantasie der Außenstehenden seit Jahrhunderten beschäftigt.

Die Rituale stammen symbolisch aus dem Handwerk des Steinmetzes. Ein Maurer durchläuft drei Grade: Lehrling, Geselle und Meister. Jeder Grad hat seine eigenen Rituale, Symbole und Texte. Das zentrale Ritual des Meistergrades erzählt die Geschichte von Hiram Abiff, dem legendären Baumeister des salomonischen Tempels, der ermordet wurde, weil er das Geheimwort der Meister nicht preisgeben wollte.

Diese Rituale sollen moralische Lektionen vermitteln, über Integrität, Loyalität und den Umgang mit dem Tod. Freimaurerei versteht sich als ein System der Ethik, das durch Allegorien gelehrt wird.

Die berühmten Symbole, der Winkel und das Lot, das Auge der Vorsehung, der Zirkel, stammen aus dieser handwerklichen Symbolik. Das Auge der Vorsehung auf dem amerikanischen Dollarschein ist kein freimaurerisches Symbol, obwohl die Verbindung oft behauptet wird. Es ist ein älteres christliches Symbol, das zufällig auch in freimaurerischen Zusammenhängen auftaucht.

Freimaurer und Verschwörungstheorien

Kein Geheimbund hat so viele Verschwörungstheorien inspiriert wie die Freimaurer. Sie regieren angeblich die Welt, steuern Regierungen, haben die Französische Revolution geplant, ermordeten Mozart und Lincoln, und bauen eine Neue Weltordnung auf.

Diese Theorien entstanden nicht im Vakuum. Als die Französische Revolution ausbrach, suchten konservative Denker nach einer Erklärung, warum die Gesellschaft so plötzlich umgestürzt worden war. Der Schotte John Robison veröffentlichte 1797 "Proofs of a Conspiracy", in dem er die Revolution als freimaurerische und illuminatische Verschwörung beschrieb. Das Buch war ein Bestseller und legte den Grundstein für ein ganzes Genre.

Die Realität ist prosaischer. Ja, viele der Revolutionäre waren Freimaurer. Aber das lag daran, dass die Logen einer der wenigen Orte waren, wo bürgerliche Männer offen über politische Ideen sprechen konnten. Die Mitgliedschaft in einer Loge machte niemanden zum Verschwörer.

Prominente Freimaurer in der Geschichte

Die Liste der historisch bedeutenden Freimaurer ist lang. Neben den bereits genannten: Winston Churchill wurde 1901 aufgenommen. Der Duke of Wellington war Freimaurer. In Deutschland gehörten Goethe und Friedrich der Große zu den Mitgliedern. Garibaldi, der Einiger Italiens, war Freimaurer und sogar Großmeister.

Diese Namen zeigen das eigentliche Attraktionsprinzip der Logen. Sie boten Netzwerk, Zugang und eine gemeinsame Sprache unter Männern, die Einfluss hatten oder anstrebten. Das ist keine Verschwörung. Das ist Networking, mit Ritualen und Schürzen.

Freimaurerei heute

Weltweit gibt es schätzungsweise sechs Millionen Freimaurer. Die meisten davon leben in englischsprachigen Ländern, besonders in den USA und Großbritannien. In Deutschland ist die Freimaurerei legal und offen, aber sie hat nie die gesellschaftliche Bedeutung erlangt wie im angelsächsischen Raum.

Moderne Logen sind deutlich weniger geheimnisvoll als ihr Ruf. Viele haben Webseiten, laden zu öffentlichen Veranstaltungen ein und erklären ihre Geschichte gerne. Die "Geheimnisse", die es noch gibt, sind die Ritualtexte und Erkennungszeichen, Dinge, die keinen Skandal und keine Weltverschwörung enthalten.

Was bleibt, ist eine Bruderschaft mit einer faszinierenden Geschichte, die mehr über die Ängste und Hoffnungen der Gesellschaft erzählt, die sie beobachtet, als über sich selbst.

Die Geschichte der Freimaurer – Skriuwer.com