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Wie Francisco Franco Spanien regierte

Veröffentlicht 2026-06-02·6 Min. Lesezeit

FAST VIERZIG JAHRE. So lange regierte Francisco Franco Spanien als Diktator, von 1939 bis zu seinem Tod 1975. Er überlebte Hitler, Mussolini und Stalin. Er überlebte den Zweiten Weltkrieg als neutraler Beobachter. Er überlebte den Kalten Krieg, indem er sich als antikommunistischer Garant nützlich machte. Sein Regime hinterließ Spanien ein tief gespaltenes Land, das bis heute mit seiner Vergangenheit ringt.

Der Weg an die Macht: Bürgerkrieg

Franco wurde 1892 in Galicien geboren und machte als junger Offizier in den Kolonialkriegen in Marokko Karriere. Er galt als brillanter Taktiker und war der jüngste General der spanischen Armee. Als 1936 ein Militärputsch gegen die gewählte republikanische Regierung scheiterte und in einen Bürgerkrieg mündete, war Franco einer von mehreren nationalistischen Generälen. Er schaffte es durch politisches Geschick und militärische Erfolge, zur dominierenden Figur auf der nationalistischen Seite zu werden.

Der Spanische Bürgerkrieg war kein rein spanischer Konflikt. Hitler schickte die Legion Condor, ein Luftwaffenkontingent, das unter anderem die baskische Stadt Guernica bombardierte und dabei Hunderte von Zivilisten tötete, ein Ereignis, das Picasso in seinem berühmtesten Gemälde festhielt. Mussolinis Italien schickte Truppen und Ausrüstung. Die Sowjetunion unterstützte die Republik, was internationalen Freiwilligen auf der republikanischen Seite ermöglichte, ein organisiertes Gegengewicht zu den nationalistischen Kräften zu bilden.

1939 gewannen die Nationalisten. Francos Truppen marschierten in Madrid ein. Die Republik war besiegt.

Die ersten Jahre: Terror und Unterdrückung

Nach dem Bürgerkrieg begann eine Periode, die Historiker als "weiße Unterdrückung" bezeichnen. Hunderttausende von Republikanern wurden verhaftet. Erschießungen waren an der Tagesordnung. Schätzungen über die Zahl der Hingerichteten in den ersten Jahren nach dem Bürgerkrieg schwanken erheblich, belaufen sich aber auf zwischen 30.000 und 150.000 Personen. Genaue Zahlen sind schwer zu bestimmen, weil viele Fälle nie dokumentiert wurden und systematische Archivarbeit erschwert wurde.

Hunderttausende gingen ins Exil, nach Frankreich, Mexiko, Argentinien. Schriftsteller, Wissenschaftler, Künstler, Politiker. Spanien verlor in den Jahren nach dem Bürgerkrieg einen erheblichen Teil seiner intellektuellen und kulturellen Kapazität.

Politische Parteien, außer der Falange, der offiziellen Staatspartei, wurden verboten. Gewerkschaften wurden aufgelöst oder in staatlich kontrollierte Organisationen umgewandelt. Streiks waren strafbar. Die Presse unterlag strikter Zensur.

Die Repression der Regionen

Francos Spanien war ein zentralistischer Nationalstaat, der regionale Identitäten als Bedrohung betrachtete. Die Verwendung von Katalanisch, Baskisch und Galicisch in der Öffentlichkeit wurde verboten. Schulen unterrichteten ausschließlich auf Kastilisch. Regionalnamen wurden in kastilische Formen umgewandelt. Kulturelle Ausdrucksformen wurden eingeschränkt oder verboten.

Für Basken und Katalanen, die sich der Unterdrückung widersetzten, war das Regime besonders repressiv. Die baskische Untergrundorganisation ETA, die 1959 während der Franco-Zeit gegründet wurde, war eine direkte Reaktion auf die Repression. Ihr erster wichtiger Anschlag, die Ermordung von Admiral Carrero Blanco 1973, tötete den Mann, den Franco als seinen Nachfolger vorgesehen hatte.

Francos Balanceakt im Zweiten Weltkrieg

Deutschland und Italien hatten Franco im Bürgerkrieg geholfen. Als der Zweite Weltkrieg begann, erwarteten Hitler und Mussolini eine Gegenleistung. Franco verhandelte. Er schickte die Blaue Division, ein Freiwilligenkorps von etwa 45.000 Spaniern, an die Ostfront, um Hitler zu beschwichtigen, ohne offiziell in den Krieg einzutreten. Er erklärte Spanien für "nicht kriegführend", nicht neutral, ein Status, der Flexibilität erlaubte.

Als sich 1943 die Kriegslage zugunsten der Alliierten verschob, begann Franco, sein Land als neutral darzustellen. Er ließ die Blaue Division 1943 zurückrufen. Nach dem Krieg behauptete er, er habe Spanien klug aus dem Krieg herausgehalten. Die Alliierten akzeptierten diese Darstellung weitgehend, weil Spanien als antikommunistischer Vorposten nützlich war.

Der Pakt mit Amerika: Antikommunismus als Schutzschild

1953 schloss Franco ein Abkommen mit den USA, das amerikanische Militärbasen in Spanien erlaubte. Im Gegenzug erhielt Spanien Wirtschaftshilfe und diplomatische Anerkennung. Die NATO nahm Spanien nicht auf, aber die bilaterale Beziehung mit Washington verschaffte dem Regime internationale Legitimität.

1955 wurde Spanien in die Vereinten Nationen aufgenommen. Das franquistische Spanien war wieder Teil der internationalen Gemeinschaft, nicht wegen demokratischer Reformen, sondern wegen seiner strategischen Position im Kalten Krieg.

Die wirtschaftliche Öffnung der 1960er Jahre

In den späten 1950er Jahren stand Spanien wirtschaftlich am Abgrund. Das Regime hatte eine autarke Wirtschaftspolitik verfolgt, die nicht funktionierte. 1959 erzwangen Technokraten des Opus Dei, einer konservativen katholischen Laienorganisation, einen wirtschaftlichen Kurswechsel. Der "Stabilisierungsplan" öffnete die spanische Wirtschaft für ausländische Investitionen und Tourismus.

In den 1960er Jahren wuchs die spanische Wirtschaft schnell. Tourismus aus Nordeuropa brachte Geld und Kontakt mit anderen Lebensweisen. Millionen von Spaniern emigrierten als Gastarbeiter nach Deutschland, Frankreich und in die Schweiz und schickten Geld nach Hause. Die materielle Lebensqualität verbesserte sich für breite Bevölkerungsschichten.

Diese Verbesserungen wurden als Legitimation des Regimes genutzt. Franco hatte Ordnung und Wohlstand gebracht, so die offizielle Erzählung. Was das gekostet hatte, blieb ausgeblendet.

Die Kirche und der Staat

Das Regime war tief mit der katholischen Kirche verbunden. Die Kirche hatte auf der nationalistischen Seite des Bürgerkriegs gestanden und den Krieg als Kreuzzug bezeichnet. Im Gegenzug erhielt sie immensen Einfluss auf Bildung, Moral und Zivilrecht. Scheidung war verboten. Abtreibung war illegal und strafbar. Homosexualität war strafbar. Der Unterricht in Schulen war religiös geprägt.

Ab den 1960er Jahren begann ein Teil des spanischen Klerus, sich vom Regime zu distanzieren. Der Zweite Vatikanische Konzil brachte eine neue kirchliche Sozialtheologie, die mit dem Franquismus schwer vereinbar war. Junge Priester in den Baskenland und in Katalonien wurden zu offenen Gegnern des Regimes. Das war ein Riss im ideologischen Fundament des Systems.

Der Tod Francos und die Transition

Franco starb am 20. November 1975 nach langer Krankheit. Er war 82 Jahre alt. König Juan Carlos I., den Franco selbst als Nachfolger ausgewählt hatte, übernahm die Macht. Franco hatte erwartet, dass der König das System weiterführen würde. Was folgte, war das Gegenteil.

Juan Carlos arbeitete mit dem Ministerpräsidenten Adolfo Suárez zusammen, um den Übergang zur Demokratie zu steuern. Politische Parteien wurden legalisiert, Wahlen wurden abgehalten, eine neue Verfassung wurde 1978 verabschiedet. Die Transition war kein vollständiger Bruch mit der Vergangenheit. Es gab ein stillschweigendes Abkommen, das die Vergangenheit ruhen zu lassen. Täter wurden nicht verfolgt. Archive blieben geschlossen.

Das unerledigte Erbe

Das Gesetz über das Historische Gedächtnis, verabschiedet 2007 unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten Zapatero, ermöglichte erstmals die Exhumierung von Massengräbern aus dem Bürgerkrieg und der Nachkriegszeit. Zehntausende von Menschen waren in anonymen Massengräbern beigesetzt worden. Ihre Familien hatten jahrzehntelang nicht gewusst, wo sie lagen.

Franco selbst wurde 2019, also fast 45 Jahre nach seinem Tod, aus dem Valle de los Caídos umgebettet, einem Monumentalbau, den er als Gedenkstätte für die Gefallenen des Bürgerkriegs hatte errichten lassen, in Wirklichkeit aber von politischen Häftlingen in Zwangsarbeit erbaut worden war. Er liegt jetzt auf einem Privatfriedhof bei Madrid.

Was Francos Herrschaft war, lässt sich nicht in einer Zeile fassen. Sie war langanhaltend, komplex, von Terror und wirtschaftlichen Verbesserungen, von Unterdrückung und Stabilität, von Kollaboration und Widerstand geprägt. Das ist gerade das Problem. Regime, die nur brutal sind, sind leichter zu beurteilen. Regime, die brutal sind und gleichzeitig Ergebnisse liefern, die Teile der Bevölkerung schätzen, hinterlassen eine Gesellschaft, die sich über ihre eigene Geschichte streitet.

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