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Wie Idi Amin Uganda terrorisierte

Veröffentlicht 2026-06-02·5 Min. Lesezeit

ER NANNTE SICH "SELBSTERKLÄRTER PRÄSIDENT FÜR DAS LEBEN, FELDMARSCHALL, DOKTOR". Er ließ sich als Retter Ugandas feiern und tötete dabei nach Schätzungen zwischen 100.000 und 500.000 seiner Landsleute. Idi Amin Dada Oumee regierte Uganda von 1971 bis 1979 und schuf ein Regime, das durch Willkür, ethnische Säuberungen, wirtschaftliches Chaos und persönliche Brutalität geprägt war.

Aufstieg aus dem Militär

Idi Amin wurde um 1925 in Norduganda geboren. Er trat in jungen Jahren der britischen Kolonialtruppe, dem King's African Rifles, bei und bewies sich als Soldat in Kenia während der Bekämpfung des Mau-Mau-Aufstands. Bei der ugandischen Unabhängigkeit 1962 war er einer der wenigen schwarzen Offiziere in der neuen Nationalarmee.

Premierminister Milton Obote, der erste Führer des unabhängigen Uganda, förderte Amin gezielt als Gegengewicht zu anderen Militärfraktionen. Als Obote 1966 einen Staatsstreich gegen den Präsidenten des Landes durchführte, war Amin seine militärische Stütze. In den Jahren danach jedoch wuchs das Misstrauen zwischen beiden. Obote versuchte, Amin wegen Korruption und Unterschlagung militärischer Gelder zu entmachten.

Amin kam ihm zuvor. Am 25. Januar 1971, während Obote zu einer Konferenz in Singapur flog, übernahm Amin durch einen Militärputsch die Macht. Zunächst wurde er von Teilen der Bevölkerung und von internationalen Akteuren, darunter Israel und Großbritannien, als Verbesserung gegenüber Obote willkommen geheißen.

Die ersten Monate: Schockwellen durch das Militär

Innerhalb von Wochen nach dem Putsch begann das Töten. Soldaten, die Obote nahegestanden hatten oder ethnisch den Langi und Acholi angehörten, Obotes eigenen Gruppen, wurden in Kasernen zusammengetrieben und erschossen. Die Leichen wurden in Massengräbern verscharrt. Augenzeugen berichteten von Lastwagenladungen mit Leichen, die nachts weggefahren wurden.

Amin schuf schnell einen parallelen Sicherheitsapparat, unabhängig vom regulären Militär und direkt ihm unterstellt. Das State Research Bureau und die Public Safety Unit wurden zu den berüchtigtsten Instrumenten des Terrors. Sie wurden von Männern aus Amins eigenem Stamm, den Kakwa aus dem Nordwesten, sowie aus dem Sudan und der Demokratischen Republik Kongo rekrutiert. Loyalität gegenüber Amin, nicht gegenüber dem ugandischen Staat, war das Einstellungskriterium.

Die Ausweisung der Asiaten

Im August 1972 ordnete Amin die Ausweisung aller ugandischen Asiatischer Abstammung an, die keine ugandische Staatsbürgerschaft besaßen. Sie hatten 90 Tage Zeit zu gehen. Rund 70.000 Menschen, darunter viele Familien, die seit Generationen in Uganda lebten und einen Großteil der Wirtschaft kontrollierten, wurden vertrieben. Ihr Eigentum, Geschäfte, Häuser, Fahrzeuge, wurde beschlagnahmt und meist an Amins Anhänger verteilt.

Die wirtschaftliche Wirkung war katastrophal. Die meisten der Vertriebenen waren Händler, Buchhalter, Ärzte und Unternehmer. Mit ihrer Ausweisung kollabierte ein wesentlicher Teil der ugandischen Wirtschaft. Die Güter, die an Amins Günstlinge verteilt wurden, wurden oft innerhalb von Monaten ruiniert, weil die neuen Besitzer weder die Erfahrung noch das Interesse hatten, die Unternehmen zu führen.

Die systematische Vernichtung

Die Brutalität des Regimes war nicht spontan. Sie hatte Strukturen. Das State Research Bureau unterhielt ein Hauptquartier in Kampala, das zum Synonym für Folter und Mord wurde. Verhaftete wurden dorthin gebracht und selten lebend gesehen. Verhörmethoden beinhalteten Elektroschocks, Amputationen und medizinische Experimente. Spätere Berichte und die Zeugenaussagen von Überlebenden zeichneten ein konsistentes Bild systematischer Grausamkeit.

Amins Opfer kamen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Intellektuelle, Geistliche, Richter, Ärzte und Lehrer wurden gezielt verfolgt. Er misstraute der Bildungsschicht und betrachtete sie als potenzielle Bedrohung. Der Erzbischof der anglikanischen Kirche Ugandas, Janani Luwum, wurde 1977 verhaftet und starb unter ungeklärten Umständen in Amins Gewahrsam. Die offizielle Version sprach von einem Autounfall. Niemand glaubte ihr.

Amins Paranoia und ihre Opfer

Amin regierte zunehmend durch Paranoia. Regelmäßige Kabinettsmitglieder und Militäroffiziere, die er als Bedrohung wahrnahm, wurden eliminiert. Einige seines engsten Kreises wurden ohne Ankündigung verhaftet und erschossen. Die Atmosphäre permanenter Unsicherheit hielt selbst diejenigen in Abhängigkeit, die dem Regime nahe standen.

Amins außenpolitisches Verhalten verstärkte die Isolation Ugandas. Er unterhielt anfangs enge Beziehungen zu Israel, brach aber 1972 die Beziehungen ab und näherte sich Libyen und Muammar Gaddafi an. Er erklärte sich zum Bewunderer Hitlers. Er unterstützte die palästinensische Flugzeugentführung nach Entebbe 1976, bei der 106 überwiegend israelische Geiseln für eine Woche in Entebbe festgehalten wurden, bevor eine israelische Kommando-Einheit die meisten rettete. Das Debakel beschädigte sein Ansehen international erheblich.

Die Rolle des Auslands

Amin hätte ohne externe Unterstützung nicht so lange an der Macht bleiben können. Libyen unter Gaddafi war ein wichtiger Finanzier und lieferte Waffen. Saudi-Arabien gab Geld. Die Sowjetunion pflegte Beziehungen zu Kampala. Großbritannien, das ursprünglich Amins Putsch begrüßt hatte, pflegte wirtschaftliche Beziehungen weiter, während die Gräueltaten eskalieren.

Die Organisation für Afrikanische Einheit, der Vorläufer der Afrikanischen Union, schwieg weitgehend. Amin war sogar 1975 Vorsitzender der OAU. Das Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten diente als Schutzschild für Massenmord.

Das Ende: Der Krieg mit Tansania

Amins Regime endete nicht durch interne Revolte, sondern durch externe Intervention. 1978 annektierte er den Kagera-Zipfel, ein tansanisches Gebiet, und erklärte es zu ugandischem Territorium. Tansanias Präsident Julius Nyerere, der lange Zeit ein Kritiker Amins gewesen war, antwortete mit einem Gegenangriff. Tansanische Truppen marschierten in Uganda ein, unterstützt von ugandischen Exilkämpfern.

Amins Armee, die mit Terrorisieren der eigenen Bevölkerung gut bekannt war, erwies sich als schlechte Armee im konventionellen Kriegsfall. Im April 1979 fiel Kampala. Amin floh, zunächst nach Libyen, dann nach Saudi-Arabien, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 2003 lebte, in einem Appartement in Dschidda, vom saudischen Königshaus geduldet.

Er wurde nie vor Gericht gestellt

Idi Amin starb am 16. August 2003 in einem Krankenhaus in Dschidda. Er stand nie vor Gericht. Kein internationales Tribunal wurde für ugandische Verbrechen unter Amin eingerichtet. Keine Entschädigungen wurden an Opfer und ihre Familien gezahlt. Die Täter, viele von ihnen einfache Soldaten und Polizisten, lebten nach dem Sturz des Regimes überwiegend unbehelligt in Uganda weiter.

Uganda versuchte nach 1979 eine Normalisierung, aber die Jahre unter Amin hatten tiefe institutionelle und gesellschaftliche Schäden hinterlassen. Die nachfolgenden Konflikte, darunter der Wiederaufstieg von Obote und ein weiterer Bürgerkrieg, zeigten, wie schwer es war, von dem Erbe dieser Jahre loszukommen.

Was Amin über Macht lehrt

Idi Amin ist kein Ausnahmefall. Er ist ein Muster. Ein Militäroffizier, der durch einen Putsch an die Macht kommt. Ein Führungsstil, der auf persönliche Loyalität statt auf Institutionen setzt. Die schrittweise Ausdehnung der Gewalt von politischen Gegnern auf ethnische Gruppen, auf Intellektuelle, auf jeden, der als Bedrohung erscheint. Die Duldung durch externe Akteure, weil andere Interessen vorranging erscheinen.

Dieses Muster hat sich wiederholt. In anderen afrikanischen Ländern, in anderen Kontinenten, in anderen Jahrzehnten. Die Namen wechseln. Die Struktur bleibt.

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