Wie Julius Caesar ermordet wurde
Die Iden des März
Am 15. März 44 v. Chr. betrat Gaius Julius Caesar den Sitzungssaal des Pompeius-Theaters in Rom. Er hatte gewarnt worden. Mehrfach. Seine Frau Calpurnia hatte von Alpträumen berichtet. Ein Wahrsager namens Spurinna hatte ihm gesagt, er solle sich vor den Iden des März hüten. Am Morgen des 15. März erkannte Caesar Spurinna auf der Straße und rief ihm zu, die Iden des März seien gekommen. "Ja", sagte Spurinna, "aber sie sind noch nicht vorbei."
Im Sitzungssaal warteten Verschwörer mit Dolchen unter ihren Togastreifen. Was folgte, dauerte nur wenige Minuten und veränderte die Geschichte der westlichen Welt.
Wer Cäsar war und was er getan hatte
Caesar war zum Zeitpunkt seines Todes 55 oder 56 Jahre alt und seit Januar 44 v. Chr. Dictator perpetuo, Diktator auf Lebenszeit. Das war der Punkt, der die Verschwörer mobilisierte. Diktatoren in der römischen Tradition hatten ihre Macht nach sechs Monaten abzugeben. Ein Diktator auf Lebenszeit war kein Diktator mehr, er war ein König. Und König sein wollte in der römischen Republik, mit ihrer tiefen Abneigung gegen Monarchie seit der Vertreibung der Tarquinier 509 v. Chr., das Schlimmste, was man einem Römer nachsagen konnte.
Caesar hatte in einem Jahrzehnt Gallien unterworfen, den Rubikon überschritten, einen Bürgerkrieg gewonnen, seinen Rivalen Pompeius gejagt, Ägypten besucht (wo er Kleopatra traf und ein Kind mit ihr hatte), Pharnakes II. besiegt mit dem knappsten aller Schlachtberichte "Veni, vidi, vici", und Roms Feinde in Nordafrika und Spanien niedergeworfen. Er war der mächtigste Mann Roms, und er zeigte keine Anstalten, das zu ändern.
Die Verschwörer
Die antiken Quellen, besonders Sueton, Plutarch und Cassius Dio, nennen über 60 Mitverschwörer. Das ist eine außerordentlich große Gruppe für eine Geheimverschwörung, was erklärt, warum Gerüchte durchsickerten, aber angesichts der Zahl der Beteiligten ist es erstaunlich, dass die Verschwörung nicht früher aufflog.
Die zwei prominentesten Verschwörer waren Marcus Junius Brutus und Gaius Cassius Longinus. Sie verkörpern zwei verschiedene Typen der Täterschaft. Cassius war ein pragmatischer Opportunist. Er hatte persönliche Gründe, Caesar zu hassen: Caesar hatte ihn bei einer Beförderung übergangen, hatte seine Löwen beschlagnahmt. Er war der Motor der Verschwörung.
Brutus war komplizierter. Er war persönlich mit Caesar befreundet. Caesar hatte ihn nach dem Bürgerkrieg begnadigt, obwohl Brutus auf der Seite des Pompeius gekämpft hatte. Es gibt eine antike Überlieferung, dass Caesar der leibliche Vater des Brutus gewesen sei, obwohl die Chronologie dem widerspricht. Brutus tötete Caesar aus ideologischer Überzeugung, oder so versuchte er es sich selbst und anderen zu erklären. Er glaubte die Republik zu retten.
Was an den Iden des März geschah
Die Verschwörer planten ursprünglich, Caesar im Senat zu attackieren. Als er zunächst nicht erschien, schickten sie den Senator Decimus Brutus, einen seiner engsten Vertrauten, um ihn abzuholen. Decimus überredete ihn, trotz schlechter Vorzeichen zu kommen.
Im Sitzungssaal näherte sich zunächst ein Senator Caesar mit einer Bittschrift. Das war das vereinbarte Signal. Während Caesar abgelenkt war, näherten sich die anderen Verschwörer. Der erste Stich traf, nach antiken Berichten, Caesars Hals oder Schulter und stammte von Casca.
Was folgte, war chaotisch. 23 Wunden zählte man später auf Caesars Körper. Viele Verschwörer trafen sich gegenseitig in der Enge. Marcus Brutus stach ebenfalls zu. Ob Caesar tatsächlich die berühmten Worte "Et tu, Brute?" sprach, ist historisch nicht belegt. Sueton schrieb, Caesar habe sich mit seiner Toga die Wunden verhüllt und sei zusammengebrochen. Die Anwesenden, Senatoren und andere, flohen aus dem Sitzungssaal.
Die Autopsie
Caesars Leib wurde vom Arzt Antistius untersucht. Nach Sueton sprach er von 23 Wunden, aber nur eine davon sei tödlich gewesen: die zweite, in die Brust, die ein wichtiges Blutgefäß getroffen hatte. Die anderen Wunden allein hätten nicht gereicht. Eine moderne forensische Studie aus dem Jahr 2003 unter dem Arzt Francesco Maria Galassi bestätigte, dass eine einzige Wunde, wahrscheinlich die zweite Stichwunde, den Tod verursacht hat, vermutlich durch Blutverlust.
Caesar starb, nach modernen Schätzungen, nicht sofort, sondern in den Minuten oder Stunden nach dem Anschlag. Die Szene, die die antiken Quellen beschreiben, nämlich dass er nach dem Zusammenbruch liegen blieb und drei seiner Sklaven ihn später nach Hause trugen, deutet darauf hin, dass er nach der Tat noch lebte.
Was die Verschwörer falsch kalkulierten
Brutus und Cassius glaubten, dass Roms Bevölkerung und der Senat aufatmen würden. Stattdessen herrschte Chaos. Das Volk trauerte um Caesar. Als Marcus Antonius, Caesars engster Verbündeter, bei der Leichenfeier Caesars Testament verlas und zeigte, dass Caesar jedem römischen Bürger 300 Sesterzen und seine Gärten hinterlassen hatte, schlug die Stimmung um. Der Mob verbrannte Caesars Leichnam auf dem Forum, brannte die Häuser einiger Verschwörer nieder und zwang Brutus und Cassius, Rom zu verlassen.
Das Machtvakuum füllte sich nicht mit Republik, sondern mit erneutem Bürgerkrieg. Octavian, Caesars Großneffe und adoptierter Erbe, kehrte aus dem Ausland zurück. Mit Marcus Antonius und Lepidus bildete er das zweite Triumvirat. Gemeinsam verfolgten sie die Mörder Caesars. Brutus und Cassius wurden in der Doppelschlacht von Philippi 42 v. Chr. besiegt und töteten sich selbst.
Das Ende der Republik
Die Verschwörer wollten die Republik retten. Das Gegenteil trat ein. Innerhalb von 13 Jahren nach Caesars Tod hatte Octavian, jetzt Augustus, alle Rivalität ausgeschaltet und herrschte als faktischer Alleinherrscher über ein Gebiet, das Brutus nie zugelassen hätte. Das Prinzipat, die Herrschaftsform des Augustus, war eine Monarchie in republikanischem Gewand. Er nannte sich Princeps, Erster Bürger, nicht König. Aber er hatte die Macht, die Caesar angestrebt hatte.
Caesar starb durch Dolche von Männern, die behaupteten, die Freiheit zu verteidigen. Was danach kam, war weniger frei, nicht mehr. Das ist die bittere Ironie des 15. März 44 v. Chr.: dass die Männer, die handelten, um die Republik zu bewahren, stattdessen das Grab schaufelten, in dem sie begraben wurde.